Kommentare


1. Kommentar: Taktik und Kapitänsfrage bei Team Milram

Gerade die Saison 2007 hat gezeigt, daß die schlimmsten Befürchtungen, die man beim Team Milram bezüglich der Kapitänsrolle und Taktik haben konnte, leider voll eintrafen. Vor den Rennen wurde immer von Doppelspitze und zwei Kapitänen gesprochen. In Wirklichkeit war die Milramtaktik stets einfallslos und einseitig auf den einzigen Kapitän bei Milram, nämlich Alessandro Petacchi ausgerichtet. Egal wie schlecht seine Form war und egal wie gut Erik Zabels Form war: Sprinten durfte ausschließlich Petacchi.

Wieso das Team Milram mit dem amtierenden Vizeweltmeister nichts weiter anzufangen weiß, als ihn ausschließlich als Ersatz für Velo einzusetzen, weiß wohl nur es. Ebenso versteht wohl nur Erik Zabel selbst, wieso er, indem er zu Milram ging, seine eigenen Ambitionen völlig aufgegeben hat, insbesondere bei den Klassiker, allen voran Mailand- San Remo und Paris-Tours, obwohl er gerade dort gute Chancen hätte, selbst zu gewinnen. Und das nur, um für einen Sprinter den Sprint anzuziehen, der noch nicht einmal den Anstand besitzt zuende zu sprinten, nachdem sich sein Team für ihn das ganze Rennen über aufgerieben hat, geschweige denn, Teamkollegen eine Chance zu geben, wenn er merkt, daß er keine Topform besitzt. Bestes Beispiel dafür ist Mailand-San Remo 2007. Petacchi merkte schon während des Rennens, daß er keine Beine für den Sieg haben würde, anstatt aber jetzt Erik Zabel Bescheid zu geben und ihm wenigstens freie Hand zu lassen, wurde zunächst ein Teamkollege, der sich in einer Ausreißergruppe befand, zurückgepfiffen, dann mußte der ganze restliche Milramzug für Petacchi fahren. Das Ergebnis ist bekannt: Petacchi hatte keine Lust, zuende zu sprinten, und wurde sogar noch von seinem Sprintanzieher Erik Zabel überholt. Milram bot das peinliche Bild eines Teams, in dem die Sportler anscheinend nicht genügend untereinander kommunizieren und die Teamleitung sowie der Kapitän dessen Leistungsfähigkeit gnadenlos überschätzen. Anzeichen, daß Zabel wohl die bessere Form haben könnte, zeigten sich bei zwei Vorbereitungsrennen Tirreno-Adriaticco und der Volta a la Comunitat Valenciana, bei denen man aber auch nicht gewillt war, einmal die Taktik versuchsweise zu variieren.

Gleiches zeigte sich bei der Vuelta, als Petacchi bei der 2.Etappe noch nicht einmal Zabels Hinterrad im Sprint halten konnte. Trotz ständigen Sprintanziehens hatte Erik nach der 11. Etappe so viel Vorsprung auf die anderen Sprinter in der Punktwertung, daß er sich diese Wertung ohne Probleme gesichert hätte, wenn man ihm freie Hand gelassen hätte. Auch Bettini hätte sich sicher darüber gefreut: Er versuchte mehrere Tage vergeblich sein Trikot loszuwerden, um wieder das Trikot des Weltmeisters tragen zu können. Doch bei Milram nahm man erst Notiz von dieser Wertung als Petacchi endlich Zabel überholt hatte, nämlich nach der 12. Etappe ( Erik Zabel konnte dort wegen des Sprintanziehens keine Punkte holen, falls er selbst hätte sprinten dürfen, hätte er auf dieser Etappe fast Bettini aus dem Trikot fahren können.) Jetzt durfte Zabel auch noch Petacchi bei den Platzierungssprints um Punkte unterstützen, doch Petacchi hatte eben keinen Punktvorsprung auf die anderen Sprinter und so schenkte Milram Bennati das Trikot, weil man es nur mit Petacchi holen wollte.

Selbst bei der drittklassigen Niedersachsenrundfahrt, immerhin ein Heimrennen für Erik Zabel, mußte dieser bis auf eine Etappe ständig für Petacchi fahren. Normalerweise sollten gerade solche kleineren Rennen Gelegenheiten für Helfer sein, auch mal Erfolge einfahren zu können, aber auch die anderen deutschen Helfer neben Zabel durften ihre Chance nicht suchen.

Daß Erik Zabel doch noch eigene Chancen bekam, hatte er nicht der Einsicht seines Teams zu verdanken, sondern der Tatsache, daß Petacchi einige Zeit pausieren mußte, weil gegen ihn ein Dopingverfahren läuft.

Traurig und unverständlich ist es, daß man bei Milram nicht bereit ist, beiden Sprintern ihre Chancen zu geben. Zum einen könnte man sie bei verschiedenen Rennen einsetzen wie z.B. Paris-Nizza und Tirreno-Adriaticco oder Vuelta und Polen-Rundfahrt. Aber es gäbe auch die Möglichkeit auszunutzen, daß man 2 Topsprinter hat und nicht nur einen: z.B. abwechselnd anfahren, mal beide sprinten lassen oder einen in eine Ausreißergruppe setzen - taktische Möglichkeiten gäbe es viele, so daß beide ihre Chancen suchen könnte. Damit würde man auch die Konkurrenz überraschen und wäre nicht so berechenbar. So wie Milram Zabel einsetzt - weit unter seinen Möglichkeiten - kostet er ihnen nur sehr viel Geld für einen Sprintanzieher, ohne daß sie groß Nutzen aus ihm ziehen, denn diesen Job kann genausogut auch Velo machen für weniger Geld.

 

2. Kommentar: Zabel zur WM ist ein richtiges Signal im Antidopingkampf!

Der BDR hat Erik Zabel, obwohl es viel Widerstand bei Politikern, Verbandsleuten und Medien gab, für das vorläufige WM-Aufgebot nominiert. Eine richtige Entscheidung! Wieso?

Zunächst einmal erscheint es vielen logisch Erik Zabel nicht zu nominieren. Argumentiert wird mit der Moral. Ein Athlet des WM-Kaders sollte nicht nur in sportlicher Hinsicht erste Wahl sein. Außerdem sei eine Nominierung eines ehemaligen Dopingsünders ein falsches Signal an andere Sportler und widerspreche einem Neuanfang. Vermutlich wollen viele auch, da das Vergehen von Erik Zabel verjährt ist, nun unbedingt, eine Strafe erzwingen.

Diese Argumentation ist sicher verständlich, wenn es einzelne Dopingsünder gibt. Nun muß aber jeder, der den Radsport genau verfolgt davon ausgehen, daß es leider nicht nur einzelne schwarze Schafe gibt, sondern daß fast das gesamte Peloton Doping konsumierte (und noch konsumiert). Um dieses System aber zu ändern, muß man zunächst die Omerta brechen, um an Informtionen heranzukommen. Eine Nichtnomminierung Erik Zabels vor diesem Hintergrund sendet dann dieses fatale Signal an die anderen Radprofis: Haltet bloß den Mund und gesteht nichts! Das Schweigen wird damit für die nächsten 100 Jahre gefestigt!

In dem derzeitigen Radsport kann Erik Zabel durchaus ein Vorbild für andere Radprofis sein. Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Radprofis über Doping auspacken würden, die Omerta endlich aufgebrochen wird. Es war ein sehr mutiger Schritt von ihm, Doping zu gestehen, insbesondere wenn man sieht, daß viele Politiker, Verbands-  und Medienleute, ihn jetzt verurteilen. Leider macht man derzeit alles, damit es keine weiteren Geständnisse mehr gibt und alle anderen weiter machen können wie bisher.

Bei der Frage der Nominierung sollte man daher überlegen, was man lieber will: eine Bestrafung Zabels, weil man keine rechtliche Handhabe hat oder die Möglichkeit, auf einen sauberen Radsport in der Zukunft. Ich finde wir sollten letzteres wählen.

Natürlich ist diese Nomminierung auch nur gerechtfertigt, weil Erik Zabel nicht unter Dopingverdacht steht. Es gibt auch einige Dinge, die für ihn sprechen:

1. Jeff d’Hont über Erik: „ Erik war einer der saubersten Rennfahrer seiner Generation…“(Spiegel, Mai 07)

2. Erik hat sich als einer der wenigen nicht an der Mobbingaktion gegen Simeoni bei der Tour de France 04  beteiligt. Simeoni:“ Aber ich möchte mich auch bei diesen meiner Kollegen bedanken, die große Solidarität zu mir demonstriert haben wie Zabel, Bettini, Simoni, Baldato, Cauccioli“ (gazzetadiparma.it, Juli 2004).

Hintergrund der von Armstrong initiierten und von fast dem ganzen Peloton beklatschten Mobbingaktion, die auf der 18.Etappe der Tour de France 04 stattfand, war: Simeoni brach die Omerta brach und sagte gegen Ferrari in einem Dopingprozeß aus, er handelte sozusagen gegen die Interessen des Pelotons.

3. Laut Donati (sportpro.it, Herbst 04) haben nur zwei Topfahrer normale Blutwerte: Bettini und Zabel. (Die UCI hat nämlich eine schwarze Liste mit verdächtigen Fahrern, die nach UCI-Aussagen angeblich sehr kurz sein soll, Dopingexperte Donati, der Informanten hat, die Zugang zu der Liste haben, war da anderer Meinung.)

4. Erik trainiert sich selbst und er scheint nicht zu einem der Preparatoren wie z.B. Cecchini, Ferrari, Santuccione, etc. zu gehen. (Außerdem hat er keinen dubiosen Manager)

6. Erik hat laut eigener Aussage keine ständige Ausnahmegenehmigung für Cortison in Anspruch genommen (SZ, Juli 07)

7. Als das Team Telekom bei der Vuelta 04 auf einen Schlag fast vollständig aussteigen mußte (PDM- Tour de France 1991 läßt grüßen), war Erik einer der zwei Radprofis, der nicht an der „Lebensmittelvergiftung“ litt, die ganz zufällig nur das T-Mobile Team betraf und keine weiteren Teams, die im gleichen Hotel waren, auch über den Auslöser gab es täglich neue Erklärungen (mal war es die Spaghettisauce, mal der Nachtisch…)- das Hotel hat die Speisen untersuchen lassen: es wurde nichts gefunden.

Zum Vergleich: „1991 sorgte das PDM-Team für Schlagzeilen. Die komplette Mannschaft zog sich wegen einer Infektion, die alle Fahrer heimsuchte, von der Tour de France zurück, mit dabei die deutschen Fahrer Falk Boden und Uwe Raab. Die Erklärungen wechselten binnen kurzer Zeit, mal soll es ein Virus gewesen sein, mal Bakterien, eine Lebensmittelvergiftung, Salmollen sind gefragt, das Essen in einem Hotel ist schuld, nur sind andere Teams, die ebenfalls da logierten, nicht betroffen. Bis heute lautet die offizielle Erklärung, dass das neue, leider verdorbene Eiweißprodukt Intralipid daran schuld gewesen sein soll. Doch schnell kam ein allgemeiner Verdacht auf, dass es sich um eine Infektion durch schlecht gekühltes EPO gehandelt haben könnte, eine wohl bekannte Nebenwirkung“. (Dopingabteilung- cycling4fans)

Einige Links zu weiteren Kommentaren zur Entscheidung:

 Gretchen- frage

Kommentar: Kein VIP-Ticket für Ete

Schlingerkurs

WM Stuttgart - "Gesundes Gefühl für Ehrlichkeit" Eurosport 

Eurosportforumkommentar zu "Gesundes Gefühl für Ehrlichkeit"

Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!