Vita

" Es gibt nur ein Erik Zabel"


Paris-Tours 1994, wie es sich für das Rennen der Windhunde des Herbstes gehört, endet es in einem Sprintfinale. Unter den Sprintern, die um die beste Ausgangsposition für den Sprint kämpfen, befindet sich auch ein junger Rennfahrer von 24 Jahren. Eigentlich ist er nur als Helfer an den Start gegangen, doch da sein Kapitän zuvor in einer Spitzengruppe gewesen ist und dort zu viel Kräfte gelassen hat, gibt er ihm den Auftrag, selbst zu sprinten. Der junge Rennfahrer ist sehr nervös, er ist so nervös, daß er viel zu früh den Sprint anzieht. Doch er hat Glück, keiner kann an ihm vorbeiziehen und so gewinnt er seinen ersten Klassiker, sein erstes Weltcuprennen: Der Radsportstern des Erik Zabel geht auf.

1. Wie alles begann (1970- 1992)

Erik Zabel wurde am 7.7.1970 als Sohn des Radsportlers Detlef Zabel und seiner Frau Marianne in Berlin geboren. Da sollte man meinen, der Radsport sei für Erik nahe liegend gewesen. Doch er wandte sich zunächst anderen Sportarten zu: Ringen und Fußball. Beide Ausflüge in andere Gefilde waren allerdings nicht vom Erfolg gekrönt. Beim Ringen, das er im Alter von 8 Jahren begann, war er nach einiger Zeit der einzige aus der Übungsgruppe, der übrigblieb, und beim Testtraining beim BFC Dynamo Berlin konnte man kein Talent an ihm entdecken. So kam Erik schließlich doch noch mit 10 Jahren zum Radsport. Seine Radsportkarriere wäre jedoch um ein Haar relativ bald beendet gewesen, denn Erik bereitete der fliegende Start beim Aufnahmetest für die Kinder und Jugend Sportschule des TSC Berlin Schwierigkeiten. Glücklicherweise drückte Landestrainer Heini Busse wohl etwas zu früh auf die Stoppuhr, jedenfalls hatte Erik exakt die Normzeit. Sein Vater erinnert sich: “ Härte ist schon am Beginn seiner Laufbahn sein Markenzeichen gewesen. Er hätte beinahe nicht die Normzeit für 100 m fliegend zur Aufnahme an die Sportschule geschafft. Erst im letzen Versuch hat es geklappt und wir haben dafür so geschrien, daß Rückenwind entstand. Aber beim Punktefahren war er Spitze, weil er nach dem Wertungssprint weiter Tempo fahren konnte, wenn die anderen K.O. waren.“ (Quelle: radsportnews.com)

Seine Radsportausbildung erhielt Erik Zabel vorwiegend auf der Bahn. Mit einem 3. Platz 1987 mit dem DDR Bahnvierer und einem 5. Platz im Punktefahren 1988 bei den Junioren-Weltmeisterschaften holte Erik seine ersten großen internationalen Erfolge. 1989 wurde Erik mit dem TSC Berlin DDR-Meister im 4000 m Mannschaftszeitfahren auf der Bahn. Nach der Wende wechselte Erik zu RC Olympia Dortmund. 1991 wurde er deutscher Vizemeister auf der Straße und bekam so einen Platz im ersten gesamtdeutschen WM-Team. Bei den olympischen Spielen 1992 in Barcelona gelang ihm ein ausgezeichneter 4. Platz. Daraufhin erhielt Erik für 1993 einen Vertrag beim Team Telekom.

Seine Frau Cordula hat Erik auch in der Dortmunder Zeit beim Radrennen kennengelernt. Ihm fiel bei einem Rundkurs-Rennen eine junge Frau auf, die ihn, wie er meinte, offensichtlich kräftig anfeuerte. Erik gab darauf noch etwas mehr Gas. Als er sich nach dem Rennen nach ihr erkundigte, stellte sich heraus, dass diese gar nicht ihn, sondern ihren Bruder angefeuert hatte. Trotzdem funkte es zwischen den beiden, 1992 heirateten sie, 1993 kam dann Sohn Rick (benannt nach dem Klassikerjäger Rik van Looy) zur Welt.

2. Erste Zeit als Profi (1993- 1995)

Erik war beim Team Telekom anfangs Sprintanzieher für Olaf Ludwig, allerdings konnte er manchmal auch auf eigene Rechnung fahren. So gelang ihm gleich am Anfang der Saison 1993 bei Tirreno-Adriatico ein Etappensieg. Trotz diese frühen Erfolges empfand Erik die erste Profizeit als schwierig: „ Im ersten Jahr, 1993, hatte ich oft meine Aufgaben im Finale gar nicht erfüllen können. Wenn ich versuchen sollte, den Spurt anzuziehen und 600 Meter vor dem Ziel rausging, direkt vor Olaf, weil ich nicht mehr konnte, war das schlimm! Wenn bei den Amateuren vierzig Mann über den Berg gefahren sind, dann waren wir sechs aus der Nationalmannschaft vorn dabei. Jetzt fuhren achtzig Mann über den Berg, und wir waren alle abgehängt. Das war ein Schock. Ich dachte, Ende des Jahres würde ich rausfliegen, weil ich viel zu schlecht bin.“ (Quelle: t-mobile Teamseite, Interview März 2002 )

Den Durchbruch zum Spitzenfahrer schaffte er dann ein Jahr später. Im Sommer fuhr Erik zum ersten Mal bei der Tour de France mit, konnte sie wegen eines Magen-Darm-Virus aber nicht beenden. Im Herbst gelang Erik dann der Paukenschlag mit seinem Sieg beim Klassiker Paris-Tours gegen die versammelte Sprintelite. Daraufhin tauschte man beim Team die Rollen: Olaf Ludwig zog nun für Erik den Sprint an.

Das Jahr 1995 war ein schwieriges Jahr für das Team Telekom. Nachdem es nicht zur Tour de France eingeladen wurde, drohte der Sponsor sich zurückzuziehen. Dem Teammanager Walter Godefroot gelang es dann doch noch den Tourchef umzustimmen und so konnte das Team wenigstens in einem gemischten Team zusammen mit Profis der italienischen Mannschaft ZG Mobili starten. Es war natürlich nicht optimal, da jede Mannschaft verständlicherweise eigene Interessen verfolgte. Dennoch gelangen Erik gleich zwei Etappensiege, den ersten holte er sich an seinem 25. Geburtstag, und sicherte damit den Fortbestand des Teams.

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