Vita 4

 


zurück

8. Leitersturz

Laurent Jalabert hätte ein warnendes Beispiel sein sollen. Obwohl gerade Sprinter in den Rennen wahre Balanceakrobaten sind, versagen ihre Künste offenbar auf ganz normalen Leitern im Haushalt: Kurz nach der WM 2004 brach sich Erik zu Hause das Fersenbein und konnte als Vorjahressieger nicht bei Paris- Tours an den Start gehen. Daneben bedeutete die Verletzung auch 12 Wochen Pause, keine guten Vorzeichen für das Frühjahr, da ja der 1. Saisonhöhepunkt schon Mitte März vor der Tür stand.

Zunächst schien aber alles ganz gut zu verlaufen: Erik gab sein Comeback auf der Bahn beim Weihnachtspreis und im Januar 2005 im Trainingslager konnte er gut mithalten, auch wenn ihm im Vergleich zu den Vorjahren viele Trainingskilometer fehlten. Doch bei den Sprints im Frühjahr mußte er feststellen, daß sein eines Bein schwächer war, da er unbewußt eine Schonhaltung auf dem Rad eingenommen hatte. So kam er überhaupt nicht mehr in die Sprints hinein. Bei der Flandernrundfahrt meldete er sich dann wieder mit sehenswerten Attacken zurück, beim Giro mischte er erstmals in Massensprints wieder vorne mit.

9. Ausbootung aus dem Tourteam

Die Doppelstrategie Gesamtwertung und Sprints bei der Tour, sorgte oft für Zündstoff. Obwohl man ausgerechnet bei dem Toursieg 97 Platz für einen Sprintanzieher im Team hatte, wurde in den folgenden Jahren dieser oft noch kurz vor der Tour rausgeworfen- so erfuhr Lombardi 98 erst, als er nach seinen Flugticket fragte, daß er nicht für das Tourteam vorgesehen war. 2001 gab es dann richtig dicke Luft: Fagnini wurde kurzfristig aus dem Tourteam gestrichen, Erik drohte daraufhin von der Tour de Suisse, daß er vielleicht keine Tour fahre, mußte allerdings erkennen, daß er gegen Ullrich nicht ankam. Aber es kam noch schlimmer, bei der DM mußte Erik Ullrich den Vortritt lassen: Der Sieg wurde durch Stallorder entschieden. Da Erik, obwohl er keinen Helfer dabei hatte, eine seiner besten Frankreichrundfahrten fuhr, beruhigte sich die Stimmung wieder. Die nächsten beiden Jahren verliefen in dieser Hinsicht störungsfrei - Ullrich fehlte 2002 bei der Tour, 2003 fuhr er in einem anderen Team. Dafür kamen dann sofort nach Bekanntgabe der Rückkehr Ullrichs Ende 2003 zum Team die ersten Vorstöße gegen Erik. Die Bildzeitung forderte Eriks Rauswurf aus dem Tourteam, zu einem Zeitpunkt, als Erik gerade Paris-Tours gewonnen hatte. Von da an rissen die Diskussionen darüber nicht mehr ab. Ein Jahr später, als Erik gerade bei der Vuelta dabei war mit einer Rumpfmannschaft das blaue Trikot zu verteidigen, fühlte sich sogar sein Teamkollege Klöden dazu berufen, öffentlich Eriks Rauswurf aus dem Tourteam zu fordern. Das Team hielt sich bis kurz vor der Tour de France bedeckt, nominierte Erik dann aber tatsächlich nicht für die Tour, obwohl Erik als einer der wenigen aus dem vorläufigen Aufgebot eine gute Form nachgewiesen hatte. Da Erik nicht nur Sprinter sondern auch Klassikerfahrer ist, daher Ullrich falls nötig gute Helferdienste hätte leisten können, und sich überdies in den Sprints wie kaum ein zweiter erfolgreich alleine durchschlagen kann, ist stark daran zu zweifeln, daß diese Entscheidung aus sportlichen Gesichtspunkten erfolgt sein sollte. Zumal man statt Erik weder einen besseren Berg- noch einen besseren Zeitfahrer nominieren konnte. Vielmehr hat das Ullrich-Lager mit Sprachrohr Klöden Erik aus dem Tourteam gemobbt. Auch die Radsportlegende Eddy Merckx äußerte Unverständnis für diese Entscheidung: "Ich halte es sogar für einen Fehler, dass Zabel nicht nominiert wurde. Er ist ja nicht bloß ein Sprinter, sondern ein vollwertiger Radrennfahrer, eine Persönlichkeit, ein Kämpfer, der seinem Team in wichtigen Momenten gute Dienste hätte erweisen können. Seine Erfahrung wäre auf jeden Fall hilfreich gewesen." (Quelle:Spiegel 27/05) Seinen 35. Geburtstag feierte Erik dann beim Bergzeitfahren in der Österreichrundfahrt, genau 10 Jahre zuvor hatte er den Fortbestand des Teams gesichert. Diese Entscheidung führte dazu, daß sich die Beziehung zwischen Erik und dem Team verschlechterte und Erik schließlich die Konsequenz zog und zum neugegründeten Team Milram wechselte.

weiter zu 10. Neuanfang bei Team Milram

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!