Vita 5


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10. Neuanfang bei Team Milram

 Das Team Milram bedeutete für Erik in zweierlei Hinsicht eine Veränderung. Zum einem kam er vom Team T-Mobile, eines der Teams mit den größten Etats im Peloton, zu Milram, das mit deutlich weniger Geld auskommen muß. Erik dazu: „Daß hier alles eine Nummer kleiner, aber auch familiärer ist, empfinde ich weiterhin als angenehme Note. Es erinnert mich an die Anfangsphase beim Team Telekom, als wir zum Beispiel noch um jede Schraube, um jedes Trikot bei unseren Sponsoren kämpfen mußten. Der Reiz des vergangenen Jahres lag aber auch darin, daß ich auf meine alten Profitage noch viele neue Erfahrungen gemacht habe.“(Quelle: Team Milram, Interview im Kicker, Dezember 06).

Zum anderen veränderten sich seine Rolle und die Aufgaben im Rennen. Bei Telekom und T-Mobile war er nach seiner Neoprofizeit immer Kapitän und Sprinter Nummer 1 gewesen, bei Milram ist er höchstens die Nummer 2 im Sprint hinter Petacchi. Im Jahr 2006 bekam er allerdings selbst noch viele Gelegenheiten, da Petacchi nach einem Sturz beim Giro und einer Frustattacke gegen einen Teambus bei der Vuelta die weitere Saison ausfiel, u.a. konnte er sogar als Kapitän zur Tour de France fahren, bei seinem Lieblingsrennen Mailand- San Remo mußte er allerdings wie bei Gent- Wevelgem für Petacchi arbeiten.

Anfang der Saison 2007 kristallisierte es sich jedoch heraus, daß er fast ausschließlich als Sprintanzieher für Petacchi eingesetzt wurde und dies auch dann, wenn er bessere Form als Petacchi aufwies wie bei der Valenciarundfahrt, bei Tirreno-Adriaticco und insbesondere bei Mailand-San Remo. Noch nicht einmal bei einem drittklassigen Heimrennen wie der Niedersachsenrundfahrt durfte er seine eigenen Chancen suchen. Auch bei der Vuelta vertraute Milram die ganze Zeit Petacchi, obwohl dieser zu Beginn sogar Schwierigkeiten hatte, Eriks Hinterrad zu halten, so daß Erik einen viel zu langen Sprint fahren mußte, damit das Team noch eine Top 10 Platzierung bekam. Ein Etappensieg gelang Erik trotzdem und lange Zeit hatte er beste Chancen auf die Punktwertung, lag deutlich vor allen anderen Sprintern wie Bennati, der sie schließlich gewann, sowie seinem Kapitän Petacchi und das, obwohl er nur den Sprint anziehen durfte. Wenn das Team ihm nach der 11. Etappe freie Hand gegeben hätte, hätte er mühelos diese Wertung geholt, jedoch wollte Team Milram nur Petacchi in diesem Trikot sehen und so gewann eben Bennati diese Wertung.

Aber auch 2007 bekam Erik Gelegenheiten selbst zu sprinten, dies jedoch nicht, weil sein Team dem Vizeweltmeister auch eigene Chancen bieten wollte, sondern nur, weil Petacchi wieder einmal Probleme bekam: Diesmal stoppte ihn ein positiver Dopingtest nach einem Etappensieg beim Giro Italia. So konnte Erik bei der Tour die Sprints fahren und holte auch prompt auf einer Etappe das grüne Trikot, auch fuhr er in Petacchis Abwesenheit eine erfolgreiche Deutschlandtour mit Etappensieg und Gewinn der Punktewertung

11. Dopinggeständnis

Der 30.04.07, der Tag an dem der Spiegelbericht über Doping beim Team Telekom herauskam, wurde von Erik oft als entscheidendes Datum genannt. Begonnen hatte die Zeit der Geständnisse aber unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit einen Monat früher. Am 25. März 2007 kam im belgischen Fernsehen ein Interview mit Jeff d’Hondt, einem ehemaligen Pfleger des Team Telekoms über Dopingpraktiken des Teams Telekom: Beim Telekom habe es systematisches Doping gegeben, ein Fahrer habe nicht an diesem System teilgenomen: Erik Zabel. Dieser habe nur einmal geringe Mengen Epo probiert. Fast auf den Tag genau 2 Monate später gestand Erik dann unter Tränen in einer Pressekonferenz, 96 einmalig Epo probiert zu haben: „In meinem Fall war es dann so, dass ich mich kurz vor der Tour de France auch dazu entschieden habe, Epo zu benutzen. Das war ein Test, es war einmalig und ich habe am Ende der ersten Tour-Woche diesen Test beendet. (...) Ich habe ihn deshalb beendet, weil ich mit Nebenwirkungen erhebliche Probleme hatte.“ Als Grund für sein Outing nannte Erik neben dem Spiegelartikel:„Mein Sohn fährt selber Rad. (...) Wenn ich sehe, wie seine Sportsfreunde bei uns zu Hause sind, (...) möchte ich nicht, daß die Jungs in einer ähnlichen Situation den Sport betreiben. (...)“ Erik sprach dabei auch über seine positive Dopingprobe 94, nachdem er eine Sitzcreme benutzt hatte: „Wir haben später festgestellt, dass diese Sitzcreme mit einem verbotenen Wirkstoff beinhaltet war, der weder auf der Tube, (der) Packungsbeilage noch auf der Packung vermerkt war. Das war dann der Grund, warum ich im späteren Sportgerichtsverfahren freigesprochen worden bin. (...) Es war ungefähr so, als wenn ich eine Zeitung aufschlage und dort meine eigene Todesanzeige drin lese.“(Quelle: jeweils WELT)

Nach diesem Tag ging für Erik äußerlich eigentlich alles weiter wie bisher, doch hatte sich einiges verändert. Sportrechtlich war sein Fall verjährt, so daß er nach langen Gesprächen mit seinem Team und dem Sponsor weiterfahren durfte. Mit dem Team einigte er sich auf 5 Maßnahmen, um tätige Reue zu zeigen, u.a einer Geldspende für den Nachwuchs und Mitwirkung in der Präventionsarbeit im Nachwuchsbereich für den DOSB. Außerdem mußte er auf Olympia 2008 verzichten. Die Reaktionen auf Eriks Geständnis waren sehr unterschiedlich. Während ihm die meisten Fans den Mut, Doping zu gestehen, hoch anrechneten und ihn besonders direkt nach seinem Geständnis bei der Bayernrundfahrt mit Befallsstürmen begrüßten, um ihn zu ermutigen, weiterzufahren, wollten Medien, Politiker und andere Hardliner, ihn am liebsten nicht mehr Rennen fahren sehen. Insbesondere vor der WM 07 in Stuttgart wurde von Politik und Medien mit aller Gewalt versucht, den BDR dazu zu bringen, Erik nicht zu nomminieren. Letztendlich aber ohne Erfolg, obwohl ein BDR-Vizepräsident nach seiner Nomminierung zurücktrat. Auch die Aufnahme im Peloton war recht unterschiedlich: Während einige wie Di Luca in Erik einen Nestbeschmutzer sahen und  es Profis gab, die nicht mehr mit ihm sprachen, gab es auch positive Resonanz. Erik dazu: ,, Aber es kommen auch welche zu mir und sagen, ,Chapeau’. Junge Franzosen zum Beispiel, bei denen ich erst mal hinten auf die Nummer kucken muss, wie die heißen. ‘‘.(Quelle: Süddeutsche:Auf heikler Misssion)

12. Beeindruckende Konstanz

Erik zeigt über die Jahre hinweg nicht nur, daß er zu den Sasionhöhepunkten Bestform hat und große Rennen gewinnen kann, sondern auch eine beeindruckende Konstanz auf hohem Niveau. Von Saisonbeginn bei der Mallorcarundfahrt bis zu Paris-Tours am Saisonende ist er präsent, im Winter bestreitet er oft auch noch erfolgreich Sechstagerennen auf der Bahn. Selbst kleinere Rennen fährt er mit Siegambitionen. Sein ehemaliger Teamkollege Udo Bölts sagt über ihn:„ einen schlechten Erik Zabel sah ich nie.“ Das wirkte sich auch in der Weltrangliste aus. 2000 war er 2., 20001 dann erstmals 1., insgesamt führte er 108 Wochen die Weltrangliste an. Die BDR-Rangliste führt er sogar kontinuierlich seit ihrer Existenz 2000 an. Ab 2002 sind die Siege seltener geworden, dennoch fährt er noch auf hohem Niveau und einige Highlights gibt es jede Saison, z.B. die 2 Etappensiege bei der Vuelta 2006, der Gewinn der Punktewertung bei der Vuelta 2002-4, Medaillen bei der WM, aber auch leider etwas seltene Momente als kämpferischer Ausreißer in Spitzengruppen wie z.B. bei der Flandernrundfahrt 2005 oder bei der Königsetappe der Deutschlandtour 2006.

Grundlage für seine großartigen Erfolge ist neben Talent, Ehrgeiz verbunden mit einem unglaublichen Trainingseifer. In den Trainingslagern fährt er früher los als seine Teamkollegen und kommt später zurück. Sein Training steuert Erik selbst, wobei er sich anfangs noch Tipps vom Teamarzt Heinrich holte. Dabei ist Erik ein Sportler, der technischen Neuerungen oder moderner Trainingsmethodik nicht gerade aufgeschlossen gegenübersteht: „ Als Erik in der Weltspitze war, hat er einfach immer an seinem bewährten Erfolgsrezept festgehalten. Er war ein Rennfahrer mit konservativen Methoden.“ erinnert sich Heinrich (Quelle: ARD, Oktober 2005). Lange Zeit war Erik auch Gegner des Funkkontaktes beim Rennen und startete häufig ohne Knopf im Ohr.

So intensiv wie Erik trainiert, beschäftigt er sich auch mit seinem Sport. Bölts über ihn: „ Erik…setzte sich aufs Bett und las in Radsportzeitschriften. Die kaufte er sich immer, ganz gleich, wo und in welcher Sprache, ob spanische, italienische, französische Gazetten…Erik verschlang alles. Es gab und gibt wohl keinen Rennfahrer, der besser Bescheid über die Konkurrenten weiß als er.“ (Quelle: Quäl dich, du Sau, Autobiographie, Bölts)

Außerdem braucht man für große Erfolge auch bestimmte Charaktereigenschaften: Godefroot sagt über Erik: „Erik hat den Killerinstinkt, den man als Weltklasse-Sprinter eben braucht.“ Nach Niederlagen braucht Erik immer etwas Zeit, um diese zu verdauen. Udo Bölts dazu: „oft war er nach den Rennen in sich gekehrt, sprach mit niemanden, stauchte vielleicht mal den Masseur zusammen. Er bedankte sich bei der Mannschaft für die getane Arbeit nicht gleich, sondern erst beim Abendessen. Plötzlich aber war er wie ausgewechselt. Wer ihn lange genug kannte, konnte damit umgehen. Ich nahm ihn so wie er war. Wir respektierten uns gegenseitig.“ (Quelle: Autobiographie von Bölts). Dabei gelang es Erik seine Enttäuschung in Motivation umzuwandeln, insbesondere wenn noch Kritik der Medien hinzukam. „ Es war phänomenal. Wenn Erik verlor und sich so richtig ärgerte, konnten wir sicher sein, daß er das nächste Rennen gewinnen würde.“, so Heinrich (Quelle: ARD, Oktober 05)

Die Fans begeistert Erik nicht nur im Sattel: Seine Interviews zählen zu den interessantesten des Pelotons. Unterhaltsam, witzig, aber auch mit sachlichen Rennanalysen und kritischen Äußerungen insbesondere in Richtung der Medien. Eine gute Figur machte er daher auch als Kommentator beim Zeitfahren von Olympia 2004 und zwei Etappen der Tour den France 2005.

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